Chefs sind nicht zum Kuscheln da …


Die Unternehmenskultur unterscheidet sich von Unternehmen zu Unternehmen. Bei Unternehmen, die von ihrem Inhaber geführt werden, entspricht die Führungskultur oft dem Naturell des Unternehmers.

Bei größeren Unternehmen (besonders in Konzernen) entwickelt sich über die Jahre eine eigene Kultur, die nur sehr schwer zu ändern ist. In einigen Unternehmen wird „gekuschelt“ (alle versuchen, dem jeweils anderen zu helfen), bei anderen Unternehmen wird scharf geschossen und Gewinner ist, wer den Schwarzen Gürtel im Verwaltungsdreikampf hat.

Eine ganz scheußliche Situation ist, wenn sich ein Verwaltungsdreikämpfer in eine Riege von Kuschlern erhoben hat. Dort kann er ungestört und ungehemmt wildern. Seine Abteilung wird wunderbar „funktionieren“ während alle anderen Abteilungen immer weiter an den Rand gedrängt werden. In einer solchen Situation zeigt sich: Chefs werden nicht dafür bezahlt, bei anderen Chefs beliebt zu sein.

Der eine „Haifisch“ wird den „Goldfischen“ seinen Willen und seine Vorstellungen aufdrängen. Wenn er nicht durch die nächsthörere Ebene gebremst wird, entwickelt sich ein äußerst ungünstiges Ungleichgewicht zwischen den Abteilungen. Vereinbarungen müssen nur noch von den „Goldfischen“ gehalten werden, der Hai darf sie nach belieben ignorieren oder verändern. Eine größere Organisation funktioniert aber zum guten Teil, daß Vereinbarungen eingehalten werden und sich jeder darauf verlassen kann.

Man könnte jetzt meinen, ich will nur Goldfische als Führungsebene. Nein. Ich will nur Haie. Führungskräfte sollen nicht kuscheln und lieb miteinander Ringelreihen spielen. Führungskräfte in Unternehmen müssen die Grenzen ihrer Kompetenzbereiche abstecken und die Schnittstellen zwischen den Bereichen sauberhalten und am Funktionieren halten. Mit Kuscheln kommt man da meist nicht weiter. Solange es keine Probleme gibt, braucht man keine Führungsmannschaft. Diese wird erst benötigt, wenn „der Staff“, also die „arbeitende Masse“ (oft „Fabrik“ oder neudenglisch „Factory“ genannt) nicht weiterkommt oder wenn es darum geht, Änderungen durchzusetzen.

Roland ist Berater bei der Red Hat GmbH. Privat interessiert er sich für agile Managementmethoden, Softwarearchitektur und pflegt ein paar Pet-Projects, die er eher vollenden denn fertigstellen will. Außerdem ist Roland begeisterter Rollenspieler.